Precision Farming II – Sind Parallelfahrsysteme für meinen Betrieb interessant?

31.12.2017, pprankl

Wie im letzten Artikel angekündigt wollen wir uns heute mit der Wirtschaftlichkeit von Lenksystemen befassen. Ein brisantes Thema, zumal derzeit alle Parallelfahrsysteme im Rahmen der Investitionsförderung (LE 14-20) mit 40% gefördert werden. Gefördert werden dabei optische Parallelfahrhilfen (Lichtbalken der die Spurgenauigkeit anzeigt) genauso wie RTK-gesteuerte automatische Lenksysteme. Eine Investitionsförderung stellt zwar immer einen Kaufanreiz dar, dennoch sollte die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen.

In nachfolgender Tabelle werden die Einsparungspotenziale durch RTK-gesteuerte Lenksysteme bei der Bodenbearbeitung mit einer Kreiselegge (entspricht einem Anbau) dargestellt. Diese Werte sind insofern von Interesse, da sie direkt auf die Einsparungsmöglichkeiten für nachfolgende Kulturführungsmaßnahmen (Düngung, Pflanzenschutz etc.) schließen lassen. Es wurden 0,6 ha (trapezförmiges Feldstück) in vierfacher Wiederholung einmal mit RTK-GPS gesteuertem Lenksystem und einmal ohne Lenksystem bearbeitet.

Ersparnis_w_o_GPS

Die Zeiteinsparung hat sich vor allem durch das Wendemanöver ergeben. Die Überlappungsersparnisse können direkt auf den nachfolgenden Betriebsmitteleinsatz (Saatgut, Pflanzenschutz, Düngemittel,…) umgelegt werden. Die Dieselersparnis liegt mit 5 % knapp über der Überlappungsersparnis. Nachfolgend werden diese Einsparungspotenziale an Betriebsmitteln auf eine Winterweizenproduktion hochgerechnet (Quelle: Diplomarbeit Francisco Josephinum Wieselburg erstellt durch S. Prischink, betreut durch G. Pernkopf).

Ersparnis

Das folgende Kreisdiagramm zeigt deutlich, dass die größten Einsparungspotenziale in der Düngung und beim Pflanzenschutz stecken. Somit hat die Überlappungsersparnis mit 4,7 % die größte Bedeutung für die Produktion.

Bei einem Anschaffungspreis von 13700 Euro, einer Nutzungsdauer von 7 Jahren und Signalkosten (RTK) von 750 Euro würde das bedeuten, dass die Mindesteinsatzfläche (unterstellt sind die Einsparungspotenziale bei der Winterweizenproduktion) bei 85 ha Einsatzfläche liegen würde. Die Mindesteinsatzfläche sollte natürlich den Hauptgrund für eine Kaufentscheidung darstellen, wobei diese von

– den Anschaffungskosten (40% von den Nettokosten werden derzeit im Rahmen der Investförderung gefördert),
– von der Fruchtfolge und der Intensität der Produktion,
– vom „Können“ des Fahrers,
– und von der Feldstückgröße und Form

abhängig sind. Bei der Wirtschaftlichkeit sollten vor allem die Konturen der Feldstücke beachtet werden. Unförmigkeiten verringern das Einsparungspotenzial unter Umständen erheblich! Die genannten Einflussfaktoren sind also stark betriebsspezifisch (Kulturen, Intensität der Produktion, Feldstücksgröße, Feldstückform) daher sollte die Kaufentscheidung nicht auf Basis „allgemeiner Kalkulationen“ getroffen werden.

Die Grundlage für den Kauf von Parallelfahrsystemen ist jedenfalls ein ordentliches Betriebsdatenmanagement mit bester Datenqualität! Also wiederum ein Grund mehr, Farmdok zu verwenden!

Zum Abschluss ein kleiner Tipp: Diverse Informationsquellen behaupten, dass Lenksysteme eine Grundlage für eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung darstellen. Das stimmt natürlich nicht! Vielmehr ist die Grundlage eine ordentliche Digitalisierung der Flächen und gute Betriebsdaten – also alles was Sie mit Farmdok erhalten!

Im nächsten Artikel erfahren Sie mehr über die Wirtschaftlichkeit von Sektion Control (automatischen Teilbreitenschaltungen)! Bleiben Sie dabei – Section Control könnte wirklich interessant für Betriebe mit vielen kleinen unförmigen Teilflächen sein!

(Dieser Artikel wurde erstellt von Georg Pernkopf (Francisco Josephinum Wieselburg) und Peter Prankl)

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